Zerspanungsmechanikerin – Ein Beruf mit Verantwortung

Mein Name ist Sandra Röhricht und ich bin 27 Jahre alt. Ich habe das Glück gehabt in der Firma König & Bauer AG, Werk Radebeul, die Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin absolvieren zu dürfen. Unsere Firma ist auf die Produktion von Druckmaschinen spezialisiert. Wir sind eines der führenden Unternehmen überhaupt. Im Werk Radebeul werden Rapida-Bogenoffsetanlagen hergestellt.

Als Zerspanungsmechanikerin hat man die Verantwortung für die zu bedienende Maschine, mit der man die Teile herstellt, als auch deren Qualität und dessen Prozessablauf. Dadurch, dass es sich immer wieder um andere geforderte Fertigteile handelt (Größe, Material, Komplexität, etc.), wird einem niemals langweilig in diesem Beruf. Ab und an muss man etwas schwerer heben, aber alles im machbaren für eine Frau. Ein Kran steht immer am Arbeitsplatz bereit, womit man umzugehen lernt durch einen extra Lehrgang. Manchmal muss man auch im Programm was umschreiben oder gar selbst ein Programm entwerfen, aber selbst davor muss man sich als Frau nicht fürchten. Das Verständnis für alles, wie es zusammenhängt und worauf man achten muss, kriegt man sehr gut in der Ausbildung vermittelt.

Wie bist du zu deiner Ausbildung gekommen?

Vor dieser Ausbildung habe ich ganz andere Wege eingeschlagen. Ich bin eigentlich eine gelernte "Staatlich geprüfte gestaltungstechnische Assistentin". An der selben Schule hatte ich mein "Fachabitur für Gestaltung" absolviert und im Anschluss an einer anderen Schule die Ausbildung zur "Ergotherapeutin" angefangen. Alles diente eigentlich mal meiner Ziel, Kunsttherapie zu studieren. Doch dann traf meine Familie und mich ein schwerer Schicksalsschlag, weswegen ich die Ausbildung zur Ergotherapeutin nach einem Jahr abbrechen musste.

Aufgrund dessen war ich 8 Monate arbeitslos und mir wurde klar, wenn ich wieder eine Ausbildung anfange, muss es was komplett anderes sein. Ein handfester Beruf, der Geld einbringt und Zukunft hat. Die Agentur für Arbeit bot mir an, mich wieder einzugliedern in der SUFW (Sächsisches Umschulungs- und Fortbildungswerk). Da ich mich zu dieser Zeit für alles beworben hatte (Rechtsanwaltsgehilfin, Bürokauffrau, Mechatronikerin, Industriekauffrau, Logistikerin/ Lageristin etc.), durfte ich über die SUFW in der Zeit in 3 Bereiche rein schnuppern.

Der erste bezog sich auf mein Interesse zur Lageristin/Logistikerin. Da dort der Chef erkrankt war und alles mehr oder weniger drunter und drüber ging, erfuhr ich in diesem Bereich nicht wirklich viel. Danach war es mir möglich, in der Firma "Stahl- und Maschinenbau GRAF GmbH" in Weinböhla, wo mein Mann arbeitet, zwei Praktika über die SUFW zu machen. Einmal im Büro (das war nicht so meins) und einmal in der Halle, wo mit Metall gearbeitet wird. Die Firma wollte mich als Azubine nicht, da man dort wirklich extrem schwer heben musste und der Beruf eines Metallbauers auch nicht gerade für Frauen geeignet ist. Das kann ich nur so bestätigen.

Dann durfte ich in der Halle zur Metallbarbeitung in der SUFW erste Versuche im Feilen starten. Raus gekommen ist ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel mit Würfeln. Der nette leitende Herr dort meinte zu mir, dass er ein paar Kontakte hätte, um mich evtl. weiterzuvermitteln. Er telefonierte mit jemanden von der Firma König & Bauer AG, Werk Radebeul und meinte, er hätte ein gutes Mädchen mit Fachabitur anzubieten. Da dort jemand zum Bewerbungsgespräch abgesprungen war, hatte ich die Chance bekommen.

Ein Wochenende vor Ausbildungsbeginn hatte ich das Bewerbungsgespräch mit kritischen Blicken und Fragen aufgrund meiner Mathematik-Noten etc. und weil ich ein Mädchen bin. Es hieß, wenn sich keiner bis zum Nachmittag meldet, habe ich die Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin. So war es auch zum Glück und dann ging es eben ganz schnell. Eigentlich hätte ich mir so eine Ausbildung in einer Männerdomäne niemals zugetraut. Nichtmal, dass ich das technische Verständnis bis zu einem gewissen Maße mitbringen könnte. Aber manchmal ist genau das das Richtige, was man sich niemals zutraut oder wovon man denkt, dass es nicht das Wahre sein würde.

Was macht man als Zerspanungsmechanikerin bei KBA?

Bei uns muss man als Zerspaner programmieren, die eigenen Arbeitsabläufe planen und organisieren, Betriebsunterlagen ausfüllen bzw. unterschreiben, die zum entsprechenden fertigen Teil dazugehören, die Teile mit den verschiedenen notwendigen Messmitteln kontrollieren, Werkzeuge entsprechend des Programms auswählen, Schnittdaten anpassen ggf. selbst auswählen. Der Hauptteil der Arbeit ist wirklich im Allgemeinen zusammengefasst den Arbeitsprozess durch Messkontrollen zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren. Nur so kann die Qualität gewährleistet werden, wofür man als Zerspaner seinen Kopf hin hält.

Der Beruf verlangt sehr viel Verantwortungsbewusstsein für sein Handeln und den Umgang mit den gegebenen Arbeitsmitteln und Maschinen. Gute Mathematikkenntnisse und ein wenig Feingefühl, als auch ein genaues Auge und guter Hörsinn sind von Vorteil. Der Zerspaner entscheidet noch vor der Qualitätskontrolle, ob man gute oder schlechte Teile hergestellt hat, was manchmal gar nicht so einfach ist.

Was sollte man für deinen Beruf mitbringen? Was lernt man während der Ausbildung?

Auf jeden Fall sollte man auch Begeisterung mitbringen, Ehrgeiz und Geduld. In der Ausbildung selbst lernt man sehr viel von allem am Anfang, ehe es speziell zu den Zerspanerthemen geht. Ohne diese Grundlagen kommt man nicht weiter. Viel Mathe steht an als auch das Planen und Organisieren. Feilen ist das Erste, was man in der Praxis vermittelt bekommt, ehe es an die Maschinen zum Fräsen und Drehen geht. Über die gesamte Lehrzeit hinweg wird jeder für das Drehen und Fräsen ausgebildet.

Die Spezialisierung kommt dann erst später, wenn man Facharbeiter geworden ist bzw. wenn man nach der Zwischenprüfung mit in der Produktion draußen in den Werkshallen arbeitet. Dort wird jeder einer Abteilung zugeteilt und an einer Maschine angelernt. Entweder arbeitet man dann als Dreher, Fräser oder Schleifer. Besonders interessant in der Ausbildung fand ich die verschiedenen Be­ar­bei­tungs­mög­lich­keiten eines Rohteils bzw. die verschiedenen Spannmöglichkeiten und was alles so eine Maschine, ob konventionell oder CNC-gesteuert, kann. Es gibt an der Stelle eigentlich keine Einschränkung, es ist so ziemlich alles möglich.

Vor allem diese CNC-Maschinen sind spannend. Was die alles berechnen können und müssen, um gewisse Arbeitsfolgen oder Bewegungen auszuführen! Dann versteht man auch wirklich, dass eine Maschine nur das tun kann, was der Programmierer und der Bediener als Information in diese eingibt. Auch interessant war zu erkennen, was ein winzig kleiner Programmierfehler als Beispiel an einer Maschinen auslösen kann. Erst war es schwierig, das ganze zu verstehen. Wie geht das Programmieren, warum tut die Maschine das, wenn ich dieses hier eingebe etc. Es hat eine Weile gedauert, aber dann platzte der Knoten.

Es war auch schwierig, sich als junge Frau (gerade wenn man etwas älter und lebenserfahrener ist) allein unter Jungs (die viel jünger und zur damaligen Zeit weniger erfahren waren) zurechtzufinden und klar zu kommen. Aber mit der Zeit entwickelten sie sich weiter und man kommt richtig gut klar miteinander. Zum Ende hin kann ich nur sagen, dass die Jungs aus meiner Ausbildung allesamt in Ordnung sind.

Das Fazit, was ich aus diesen 3 ½ Jahren Ausbildung mitnehme, ist, dass man diese Ausbildung auch als Frau ohne Probleme meistern und sich beweisen kann. Das ist schon lange kein reiner Männerberuf mehr.

Was zeichnet die König & Bauer AG, Werk Radebeul aus?

Unser Unternehmen ist sehr sozial, menschlich und familiär aufgebaut. Jeder kommt mit jedem klar. Selbst als Facharbeiter kann man durchaus Verbesserungsvorschläge einbringen, die auch umgesetzt werden können. Wenn man Probleme oder Sorgen hat oder gewisse Krankheiten bekommt, die evtl. dafür sorgen, dass man den Beruf an der Maschine nicht mehr so ausüben kann wie früher, kann man mit jedem Vorgesetzten darüber reden. Dann wird immer eine Lösung gefunden, mit der alle Parteien glücklich sind.

Wir sind ein leistungsorientiertes Unternehmen, da wir an einigen Maschinen nicht nur Einzelteile fertigen, sondern auch ganze Serien produzieren. Die Stückzahlen sind sehr unterschiedlich. Das kommt immer auf den Bedarf an. Es können mal nur 6 Stück einer Serie sein oder auch mal 200. Jedes Teil unserer Druckmaschinen fertigen wir selbst in unseren Werken, die jeweils dafür zuständig sind. Wir stellen Rapida-Bogenoffsetanlagen her und unserer Mutterfirma in Würzburg wiederum zum Beispiel Anlagen zum Banknotendruck und auch Maschinen für den Akzidenzdruck, Verpackungsdruck etc.

Wie sieht dein weiterer Weg nach der Ausbildung aus?

Mal schauen, auf jeden Fall möchte ich nach all den langen Jahren, die ich die Schulbank gedrückt habe, erst mal nur Arbeiten und Geld verdienen. Eventuell strebe ich den Techniker noch an oder ein Studium, aber das hat noch ein wenig Zeit.

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