Historie M+E-Industrie

Die sächsische Metall- und Elektroindustrie kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits im 19. Jahrhundert gehört das Land zu den stärksten Industrieregionen Europas und präsentierte sich auch im 20. Jahrhundert mit erfinderischen Köpfen und überzeugenden Innovationen. Den Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens legte der Silberbergbau, der 1168 mit den ersten Silberfunden in Freiberg begann und mehrere Besiedlungswellen auslöste. Nach dem Bergbau formierten sich die Erzverhüttung und Metallverarbeitung, sowie das Textilgewerbe. Es folgen zahlreiche Meilensteine in der Geschichte der sächsischen M+E-Industrie:

  • 1380

    wurden das Eisenhüttenwerk Erla gegründet. Damit ist der Nachfolger, die Eisenwerk Erla GmbH in Schwarzenberg, das älteste heute noch existierende Unternehmen Sachsens

  • 1612

    wurde die „Hütte auf dem Halsbrücke Spat“ in Halsbrücke gegründet, was den Anfang Geschichte der Mint of Finland GmbH darstellt. Unternehmensschwerpunkt war die Metallveredelung, insbesondere von Münzen. Heute gehört das Unternehmen zu den 20 ältesten Weltmarktführern Deutschlands. Mit dem Zusammenschluss der Saxonia Eurocoin GmbH und der Mint of Finland GmbH zur Saxonia Mint of Finland GmbH im Jahr 2011 entstand eines der drei größten Unternehmen der Münzpräge-Industrie der Welt.

  • 1651

    wurde das Eisenwerk Wittigsthal von den Bürgern der kaiserlichen Bergstadt Platten am Breitenbach gegründet.

  • 1826

    begann Carl Gottlieb Haubold (1783-1856) mit der Maschinenfabrikation in Chemnitz und schuf damit die Basis für den Maschinenbau im sogenannten „sächsischen Manchester“.

  • 1832

    kam Richard Hartmann (1809-1878) nach Chemnitz und begann seine Karriere in der Maschinenbauabteilung Haubolds.

  • 1835

    wurde die Kupferschmiede J.E. Christoph gegründet, aus der sich die WBN Waggonbau Niesky GmbH entwickelte.

  • 1839

    baute Johann Andreas Schubert (1808-1871) die erste funktionstüchtige deutsche Dampflokomotive „Saxonia“ in Übigau bei Dresden.

    wurde zwischen Leipzig und Dresden die erste deutsche Ferneisenbahnstrecke überhaupt eingeweiht.

    war die Geburtsstunde der Schmiedeberger Gießerei GmbH mit der Errichtung eines Hochofens.

  • 1840

    konstruierte Louis Ferdinand Schönherr (1817-1911) in Chemnitz den ersten mechanischen Webstuhl Deutschlands.

  • 1845

    folgt Ferdinand Adolf Lange (1815-1873) dem Ruf der Regierung und gründet die erste deutsche Uhrenfabrik in Glashütte.

  • 1846

    wurde der Grundstein der Bombardier Transportation GmbH Bautzen als "Eisengießerei- und Maschinenbauwerkstatt Petzold & Centner" gelegt und mit der Produktion von dampfbetriebenen und von Pferden gezogenen Schienenfahrzeugen begonnen.

  • 1848

    verlässt die erste Dampflokomotive mit dem Namen „Glück Auf“ die Werkshallen von Richard Hartmann (1809-1878).

    gründete Johann von Zimmermann (1820-1901) die erste Werkzeugmaschinenfabrik Kontinentaleuropas in Chemnitz.

  • 1849

    produzierte die Wagenbauanstalt Görlitz die ersten schienengebundenen Holztransportwagen. Heute ist dieses Werk eine Tochter des weltgrößten Herstellers für Schienentechnik Bombardier Transportation.

  • 1832

    gründete Friedrich August Flader eine Gelbgießerei, die den Grundstein für die PF Pumpen und Feuerlöschtechnik GmbH legt.

  • 1885

    wird das "Chemnitzer Velociped-Depôt Winklhofer & Jaenicke", die spätere "Wanderer Werke AG", gegründet.

  • 1888

    eröffnete Oskar Ludwig Kummer (1848-1912) in Niedersedlitz (heute Stadtteil von Dresden) eine Fabrik, in der die europaweit erste serienmäßige Produktion von Elektromotoren entstand.

  • 1892

    gründete Eduard Schürmann die Firma Eisenwerk Coswig, der Ursprung der Walzengießerei Coswig GmbH.

  • 1898

    wurden bereits 3.500 t Guss durch die Eisen- und Metall-Gießerei Hugo Schreiter gefertigt, dem Vorläufer der Sachsen Guss GmbH.

  • 1900

    baute Emil Hermann Nacke (1843-1933) 1900 in Kötitz, einem heutigen Stadtteil von Coswig, den ersten sächsischen PKW „Coswiga“ und gilt als Autopionier Sachsens.

    waren schon 23 Prozent aller Industriebeschäftigten in der M+E-Industrie tätig.

  • 1902

    begann Karl Louis Krauss (1862-1927) in Schwarzenberg mit der Entwicklung einer Ganzmetallwaschmaschine auf Basis des Trommelprinzips mit Kohlefeuerung und Handantrieb der Trommel.

  • 1903

    wurde der Grundstein für die Geschichte der VEM Sachsenwerk GmbH mit dem Abschluss des Gesellschaftsvertrages über die „Sachsenwerk, Licht- und Kraft- Aktiengesellschaft” mit dem Sitz in Dresden gelegt.

    gründete Ernst Uhlemann ein Bauholzgeschäft in der Ziegelei in Stolpen, dem Vorläufer der G.S. Stolpen GmbH & CO. KG. Später wird das Produktionsspektrum auf die Eisenindustrie, mit Ofenbauartikeln und Kachelherdbeschlägen, erweitert.

  • 1904

    lässt sich August Horch (1868-1951) mit seiner Automobilfabrik in Zwickau nieder.

  • 1911

    organisierte das VEM Sachsenwerk als eines der ersten deutschen Unternehmen eine eigene Lehrlingsausbildung.

  • 1914

    bis 1918 während des Ersten und 1939-1945 während des Zweiten Weltkriegs führte die Kriegsrüstung zu einem Übermaß an Produktionskapazitäten, welche aber in der nachfolgenden Friedenswirtschaft nicht mehr gebraucht wurden.

  • 1919

    nahm die sächsische Industrie mit innovativen Marktführern wie DKW (Motorräder), Zeiss Ikon (Kameras) sowie Wanderer, Astra-Werke und Seidel & Naumann (Büro- und Nähmaschinen) trotz der Auswirkungen des Ersten Weltkrieges eine bedeutende Rolle in der Weimarer Republik ein.

  • 1921

    setzt Flader (die heutige G.S. Stolpen GmbH & CO. KG) einen Meilenstein für die Feuerlöschtechnik: Ihm gelingt es erstmals, ein mit einer Kreiselpumpe ausgestattetes Gerät so leicht zu bauen, dass es vom zweirädrigen Transportwagen abgenommen und an schwer zugängliche Wasserstellen getragen werden kann – die erste Tragkraftspritze überhaupt.

  • 1922

    ging man in Zschopau mit Motorrädern in die Serienproduktion, woraus in den Folgejahren das erste Motorrad-Fließband der Welt entstand.

  • 1930

    begann Manfred von Ardenne (1907-1997) in Dresden mit der Entwicklung eines elektronischen Fernsehsystems auf Grundlage der Kathodenstrahlröhre.

  • 1932

    erfolgte der Zusammenschluss der vier Hersteller Wanderer, Audi, Horch und DKW zur Auto-Union.

    erschienen die ersten Kleinbildkameras von Leitz und Zeiss Ikon mit integriertem Messsucher zur Scharfstellung des Objektivs, wodurch das Schätzen der Motiventfernung entfiel.

  • 1936

    stammten 30 Prozent aller aus Deutschland exportierten PKW und 40 Prozent aller exportierten Motorräder aus sächsischer Produktion. In den 1930er Jahren stand die sächsische Industrie insgesamt für ein Viertel der gesamten deutschen Ausfuhren.

    konstruiert die Firma Ihagee in Dresden die erste Kleinbildspiegelreflexkamera der Welt, die „Kine-Exakta“.

  • 1939

    bis 1945 wurde die sächsische Industrie vom Bombenkrieg, von der Vertreibung und Ermordung jüdischer Unternehmer, sowie von den wirtschaftlichen Eingriffe der NS-Diktatur stark geschädigt – trotz anfänglicher Vorzüge aufgrund diverser Produktionsverlagerungen in den deutschen Osten.

  • 1945

    bis 1961 verließen über ein Zehntel aller sächsischen Unternehmen das Land in Richtung Westen. Grund dafür waren die staatlichen Eingriffe in die Wirtschaftsstruktur durch die sowjetische Besatzung.

  • 1957

    lief der erste Trabant – von „Ostalgikern“ liebevoll „Trabbi“ genannt – in Zwickau vom Band. Bis 1991 wurden über 3 Millionen solcher Fahrzeuge produziert.

  • 1958

    begann die Entwicklung der „152“, dem ersten deutschen strahlgetriebenen Verkehrsflugzeug durch Carl Wilhelm Brunolf Baade (1904-1969), welches bereits im Dezember des Jahres über Dresden flog.

  • 1959

    entstand in Glashütte die weltweit erste Herrenarmbanduhr mit Stoßsicherung und doppelseitigem Aufzug in flachem Design.

    entwickelte Manfred von Ardenne (1907-1997) den ersten Elektronenstrahl-Mehrkammerofen, der dann bis 1980 in großer Zahl gemeinsam mit dem Kombinat LEW Hennigsdorf und dem Edelstahlwerk Freital entwickelt und gebaut wird.

  • 1961

    ist die M+E-Branche mit 490.600 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der sächsischen Industrie.

  • 1963

    gewann das DDR-Nationalteam auf in Zschopau gebauten MZ-Motorrädern erstmals die Trophy bei der Internationalen Sechstagefahrt in der Tschechoslowakei (heute Tschechische Republik).

  • 1988

    produzierte das VEB Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD) den ersten 1 Megabit-Speicherchip der DDR.

  • 1989

    erreichte das Dresdener Robotron-Kombinat einen Umsatz von 12,8 Milliarden (Ost )Mark und besaß in den 80er Jahren mit Schreibmaschinen und Druckern in Westdeutschland einen Marktanteil von 30 Prozent.

  • 1990

    kam die Wende. Während in der ersten Hälfte der 90er Jahre noch viele Groß- und Traditionsbetriebe zusammenbrachen oder auf kleine Betriebseinheiten zusammenschmolzen, konnte die sächsische M+E-Industrie die Beschäftigung vom Tiefpunkt im Winter 1997 bis Ende 2002 um mehr als 25.000 erhöhen. Das entsprach etwa einem Viertel.

  • 1992

    entwickelte die Firma dkk Scharfenstein (später Foron) im Erzgebirge den weltweit ersten FCKW- und FKW-freien Kühlschrank.

  • 1995

    bis 2002 konnte die sächsische M+E-Industrie ihren Umsatz mehr als verdoppeln.

  • 2000

    bis 2008 stieg die Anzahl der Beschäftigten um rund 36 Prozent. Allein in den konjunkturellen Boomjahren 2007 und 2008 wurden über 22.000 feste Arbeitsplätze geschaffen.

  • 2008

    sind fast zwei Drittel allen Industriebeschäftigten in Sachsen in einem M+E-Unternehmen angestellt.

    besitzt die sächsische M+E-Industrie bezüglich der Lohnquote (Anteil der Bruttolohn- und -gehaltsumme am Umsatz) einen Wettbewerbsvorteil von fast 20 Prozent gegenüber Westdeutschland.

  • 2014

    gehört die M+E-Industrie mit 10 Branchen und mehr als 172.000 Beschäftigten zu den vielseitigsten und zukunftsfähigsten Industriebereichen in Sachsen.

  • 2015

    Platz 4 für Sachsen - Anzahl der Betriebe in der M+E-Industrie im bundesweiten Vergleich

    NRW5.735
    Ba-Wü5.017
    Bayern3.471
    Sachsen1.688
    Niedersachsen1.647
    Hessen1.429
    Rheinland-Pfalz1.049
    Thüringen996
    Sachsen-Anhalt728
    Brandenburg571
    Schleswig-Holstein559
    Berlin431
    Mecklenburg-Vorpommern346
    Saarland292
    Hamburg232
    Bremen162
  • 2016

    Entgeltentwicklung in der sächsischen M+E-Industrie 1989-2016